Novell SUSE Linux Enterprise Desktop
Novell bietet eine 60-tage testversion für SLED 10. Die standardinstallation verläuft einfach und dauert etwa 40 minuten. Als der spaß endlich losgeht, macht Novell auf Microsoft: registration, produktschlüssel, zugang zu updates und support. Dauert nochmal 'ne halbe stunde plus weitere 40 minuten für die updates. Die 800x600-auflösung verursacht sorgenfalten, aber schlußendlich schafft SLED den ausgleich und bietet an, den bildschirm auf 1200x800 zu setzen.
Vergleicht man den standard desktop Gnome mit der Sahara, so sieht die saftig und grün aus. Außer ein paar ordnern und'nem knopp 'Mein Computer' direkt neben einem bleistift jibbet et hier nischt zu sehen. 'My Computer' stellt sich als 'Start' heraus. Damit öffnet man ein fenster mit ein paar programmen, eine schaltfläche 'Weitere Programme' sowie pfeile für 'hilfe' und 'systemsteuerung'. 'Weitere Programme' stellt das andere extrem dar und öffnet eine ledergebunde, 24-bändige programmbibliothek mit 160 programmen:
- office - 21
- browser/dateimanager - 9
- kommunikation - 10
- graphik - 10
- audio/vidio - 15
- system - 50
- werkzeug 28
Gruppen links, den rest der weinkarte rechts. Wenn du 'ne gruppe anklickst, gibt's rechts ne farbveränderung, aber das dauert doch alles noch viel zu lange.
Es gibt keine leiste oben am bildschirm. Hm - bei Ubuntu ist da eine. Als greif ich mir den Gnome, stelle ihn auf den kopf, schüttele ihn ein paar mal und schon gibt er zu, mit dem rechten rechts-click läßt sich das ändern. Die zeigt mir drei einträge: 'Anwendungen - Orte - Desktop', alles mit verständlichen klappmenüs - auch endlich den lange vermissten 'RUN'-befehl.
Novell will SLED an unternehmen verkaufen und so wundert es doch ein wenig, daß es zwar 'ne menge für unterhaltung gibt, aber nicht ein einziges DTP-paket. 'Totem' ist ein player, aber er spielt meine DVD's nicht. Ich versuche, Opera wie unter Mandriva zu installieren, aber SLED verwandelt das alles in eine teerkugel mit ein paar kisten in braunem packpapier. Keine hilfe zum auspacken.
Novell's Package Manager (YaST) führt ne latte an programmen und komponenten auf: das sagt mir alles nichts. Kein programm, das ich suche. Im internet finde ich dann den link unten, wie ich an das lagerhaus für programm der OpenSUSE-community komme. (► hier)
Dieser ausflug war nicht so anstrengend wie die reise an die Penguin Liberation Front, aber es hat auch gedauert. Aber sobald die 'requisite' hinzugefügt ist, spüre ich Opera auf und YaST installiert mir das im flug. Genauso einfach geht's mit Scribus. Aber aufgepaßt: du riskierst, daß die leute vom Novell-support dich anspucken - OpenSUSE ist auch von Novell aber doch eine andere baustelle.
Falls Novell versuchen sollte, Windowskunden zu gewinnen, dann ist der Gnome-desktop nicht die beste wahl - das teil bringt dich schneller zu weißglut als ein ekliger kellner in einem feinen restaurant. Manches ist einfach nicht dort, wo es sein sollte, wie z.b. ein 'öffnen mit' im kontextmenü oder ein 'als hintergrundbild' bei photos. Und die anmeldeeinstellungen sind tiefstens verborgen unter 'sicherheit'.
Als ich auf KDE umschalten will, find ich das teil nicht (ich erinnere mich, das ich ihn installiert habe) Ich schraube und löte, lese im ermüdenden benutzerhandbuch und finde eine 'Session'-option beim anmeldebildschirm. Ich habe autoanmelden gewählt - ging also immer vorbei an mir. Und ich habe mich immer über Windows und seine fallen für unaufmerksame anwender beschwert...
Der hiesige KDE-desktop sieht ganz anders aus als die Mandriva-variante, sieht auch ein bißchen schwerfällig aus und macht nu alles wieder langsamer. Also versuch ich's doch zu guter letzt mit Gnome und seinen runderen fenstern. Ich schüttele noch mal und er bietet dann ein 'Traditionelles Hauptmenü' an - als taskbar unten am bildschirm mit nachvollziehbaren klappmenüs. Ich zieh da noch ein paar schnellstart-symbole drauf und stelle fest, daß die leiste oben nun überflüssig ist. Mit der taskbar unten - klein und transparent - einem netten strandphoto als hintergrund gewinnt das aussehen von SLED durch seine einfache eleganz meinen respekt.
Das photo als hintergrund einzurichten war 'ne aufgabe, weil weder der dateimanager noch der bildbetrachter die option bietet: 'als Hintergrund verwenden'. Rein zufällig finde ich heraus, daß du deine photos 'hintergrundeinstellungen' hinzufügen kannst und von da geht's dann mit einem klick.
Die 3D-spielzeuge sind so schnell eingestellt wie unter Mandriva und die option bieten so viele einstellungen, daß ich gar nicht weiß, was ich damit anfangen soll.
Fairerweise will ich sagen, daß keine dieser beiden oberflächen, KDE oder Gnome, schwerer zu begreifen sind als Windows XP - Ich hatte dieselben probleme, als ich zum ersten mal diesen langweiligen grünen rasen sah. Daß ich bis zum ärmel in die verschiedenen distros eingestiegen bin, mit verschiedenen desktops, hat natürlich noch zur verwirrung beigetragen. Ein anwender wird in der regel nur eine distro lernen müssen. Die herausforderung liegt darin, die richtige zu finden.
Meine entscheidung für Gnome verschließt mit nicht den zugang zu den KDE-programmen wie 'K3b', 'burner', 'Kaffeine', 'KAudioCreator' und 'Kino'. Funzt auch umgekehrt: wenn du KDE wählst, kannstu die Gnome-anwendung nutzen und so bietet SLED das beste der beiden welten. Novell sagt, es hat viel an OpenOffice gearbeitet (gehört denen ja auch), um eine bessere unterstützung für MS Office makros zu bieten, Excel im besonderen. Mit im sack ist auch noch AppArmour, ein sicherheitspaket, das programme im 'sandkasten' laufen lassen soll. Ein nützlicherer zusatz ist das laptop-paket für's 'power-management' und kabellose kommunikation.
Es gibt sogar einen prozeßmanager, der dem XP Task Manager ähnelt. Er verrät, daß SLED 250mb RAM belegt und 3gb festplattenplatz. Nicht schlecht für ein vollausgestattetest betriebssystem mit einer schiffsladung von tools und programmen. Sogar als ein halbes dutzen programme läuft, braucht SLED nur 400mb arbeitsspreicher.
Ein kaltstart dauert ne weile, aber sobald SLED in bewegung ist, reagiert es schnell auf jede ruderbewegung. Zum ersten mal sehe ich sowohl Firefox als auch OpenOffice in sekunden und nicht in minuten starten, so die tuning-abteilung in der Novellschmiede hat ihre arbeit gut gemacht.
In meinem laptop habe ich nicht so viel schicke hardware, aber ich habe eine reihe von druckern in meinem büro. Also wähle ich in der systemsteuerung 'drucker hinzufügen' und SLED wählt sofort den HP 3100 Photosmart und will auch gleich den treiber installieren. Oh ja bitte, sag ich, das ergebnis ist ne leere seite. Ich überprüfe das auf der HP website - 3100 wird noch nicht unter Linux unterstützt, dafür aber mein zweiter drucker, ein HP Laserjet 1300. Ich stöpsele und wieder ne leere seite.
Also check ich wieder bei HP, kriege ein treiberset und anweisungen für eine einfache installation über die konsole. Ich stolpere über die ersten instruktionen und wende mich nun vertrauensvoll an YaST, das teil hat mir schon mit anderen problemen geholfen. Ich mache ein paar angaben und dann soll ich den drucker testen. Und siehe da: es klappt.
SUSE Linux Enterprise Desktop ist eine seriöse alternative für Vista: geschäftskunden werden wenig zu beanstanden haben und eine anzahl vernünftiger kniffe. Die heimanwender hingegen werden viel unterhaltung finden. Die dokumentation ist umfangreich und die QuickStart Tour zeigt dir alles sehenswerte in der neuen landschaft. Novells SLED kostet $50,- und schließt ein jahr update und support mit ein.
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