Die Nord-West Passage

 

Wie auch PCLOS, bietet Xandros einen 3D-desktop, aber ich denke mir: lern zuerst mal gehen, bevor du einen doppelten salto rückwerts versuchst. Nach der installation der üblichen updates - wie auch Ubuntu findet Xandros meine interneteinstellungen - spiele ich mit dem Xandros-dateimanager rum. Der funktioniert erfreulicherweise ähnlich wie der Windows Explorer und zeigt mir sowohl meine Linux- als auch mein Windowspartition als festplatte an. Windows hingegen - was will man da schon erwarten - tut so, als ob es Linux nicht gibt.

 

Müßige neugier bringt mich dazu, eine datensicherung mit Windowsdateien einzulegen. Ich bin natürlich darauf gefaßt, daß Xandros mir die rote karte zeigt oder eine rüde nachricht. Doch im gegenteil sehe ich eine auflistung der ordner und die dateien lassen sich mit einem klick öffnen. Ein Worddokument erweckt OpenOffice zum leben - endlich - und es macht, was sein name verspricht. Genauso öffnet es PDF- und HTML-dateien, ja sogar Powerpointpräsentationen. Nur bei den Publisherdateien muß Xandros passen.

 

Das bedeutet, ich kann 99% meiner dateien von meiner Windowspartition kopieren. Du kannst sogar dateien auf die Windowspartition kopieren. Die professionelle Version beinhaltet auch 'CrossOver', damit kannst du Windowsprogramme unter Linux laufen lassen, aber die liste ist kurz und du findest darauf antike programme wie den Acrobat Reader in Version 5. Auch der Publisher fehlte und sonst fand ich nichts interessant.

Ein icon in der taskbar ringt um meine aufmerksamkeit. Ein ziemlich unansehnliches kriechtier, das wie'ne wanze aussieht die auf und nieder springt. Es sollte sich als Xandros Sicherheitscenter herausstellen: Firewall, Antivir und ein Rootkitdetektor. Sehr beeindruckend, aber was soll's? Um paranoide Windowsbenutzer zu beruhigen? Im letzten jahr gab es in der Windowswelt 48.000 neue virussignaturen, unter Linux immerhin 40.
 

Die wanze fuhr voll auf und bestand darauf, alle dateien zu untersuchen - auf einem neuen system ohne jedwede benutzerdateien. Abgesehen von dieser ärgerlichen wanze macht Xandros genau das, was es angekündigt hat. Es eröffnet dem Windowsnutzer einen leichten übergang in die Berge von Mozilla. Wenn du wirklich nur eine vertraute zuflucht vor Windows suchst: Xandros bietet sie. Die professionelle variante kostet $99,- mit Codeweaver's Crossover, die 'Home Edition' gibt's für die hälfte.

 

Wenn du andererseits die neuheiten der Linuxwelt erforschen willst, so ist Xandros vielleicht die falsche wahl. Viele programme sind mit neuem markenzeichen versehen und es ist nicht so einfach herauszufinden, was Linux ist, und was Xandros. Auch ist die liste der klick-und-installiere-jetzt-programme im Xandrows Netzwerk beschänkt und wer weiß, ob das sicherheitsnetz noch hält, wenn du mehr willst.

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