Der Schiedsspruch - Versuch eines fairen Vergleichs

 

Ich hab dies Linux-systeme so behandelt, als ob sie kommerzielle produkte wären und sie mit Windows XP und Vista verglichen. Die letzten beiden sind produkte eine firma, die unbegrenzte finanzielle mittel und arbeitskräfte hat, während der großteil von linux die arbeit von unbezahlten enthusiasten ist. Daß die ergebnisse tatsächlich vergleichbar sind, ist erstaunlich, das manche distros eine ernstzunehmende alternative zu Windows sind, ist eine wunderbare nachricht.

 

Es war eine aufregende reise für mich und wie jemand, der Indien und China jenseits der fünf-sterne-hotels bereist hat, kehre ich von der erfahrung überwältigt zurück. Die farben, die vielfalt und den reichtum an idee, die ich gesehen habe, lassen das königreich von Windows ziemlich schwach aussehen.

 
Hindernisse und Widrigkeiten
 

Es gab da schwierigkeiten wie fremde sitten, merkwürdige dialekte und ausländisches geld. Im gegensatz dazu erscheint Windows XP so vertraut wie die örtliche supermarkt, aber das hat auch vieler frustrierender besuche bedurft, ehe ich mich da zurecht gefunden habe. Warum soll das bei Linux anders sein?

 

Nörgler meinen, du kannst das auf gar keinen fall deiner lieblingstante zeigen. Aber hallo: würdest du der denn einen Windows-PC geben und sie alleine lassen? Auf gar keinen fall! Ne menge zeug läuft nicht auf meinem Windows PC: Outlook macht einfach dicht und weigert sich ohne jeden grund, meine emails zu verschicken. Sechs mal am tag. Den Media Player 11 kann ich auf keinem meiner rechner installieren - die .net-platform ebenso wenig wie manche Windows updates. IE7 führt McAfee’s Site Advisor in die irre, der speicher wird zugeschrieben, manche einstellungen verschwinden einfach und an gewissen tagen erkennt es meinen USB-stick nicht. Mein partner und ich (auch einige unserer freunde) haben viel geld an Windows-Gurus bezahlt, um diese dinge wieder hinzukriegen, mit gemischtem ergebnis.

 

Ihr erinnert euch doch an den witz: wenn dein betriebssystem eine fluglinie wäre - die Microsoft-flugzeuge würden ohne probleme starten aber manchmal mitten in der luft einfach ohne jeden grund explodieren. Dieser tage ist XP ziemlich stabil, aber wir wollen nicht vergessen, daß Microsoft dafür immerhin drei jahre gebraucht hat (und zwei größere updates). Ja, vielleicht ist es stabil, aber ich würde Tante Nell einen Mac geben und sicher würde ich ihr keinen neuen PC mit Vista kaufen, es sei denn, ich wollte ihr leben in ein elend verwandeln - sie würde wahrscheinlich auf Aero Glass ausrutschen und sich die hüfte brechen.

 
Freiheit hat ihren Preis
 

Dieser alte witz hat auch 'ne zeile für Linux Air: jeder bringt ein stück vom flugzeug zum treffpunkt am flughafen mit. Auf der landebahn setzen sie das flugzeug stück für stück zusammen und diskutieren dabei, was für ein flugzeug es denn werden soll. Das ist nun nicht ganz wahr - eigentlich bauen sie nämlich 'ne menge unterschiedlicher flugzeuge und genau da liegt das problem für Windowsflüchtlinge: dei wahl zwischen den flugzeugen ist nicht einfach.

 

Die wichtigste punkt ist die frage, ob ich meine programme auch auf der neuen plattform nutzen kann. Die bedürfnisse des durchchnittsanwenders sind schlicht: email, internet, IM, bildbearbeitung, audio- und videoplayer und eine textverarbeitung. Für büroleute noch ne tabellenkalkulation und vielleicht auch noch DTP und ein bißchen was anders. Der lackmustest ist: können sie ihre dateien unter Linux öffnen und gibt's die art von programmen, an die sie sich gewöhnt haben?

 

Ob's nun Ubuntu, OpenSuse, Mandriva, mepis oder Novell's SLED ist: alles, was der durchschnittsanwender auf seinem desktop braucht, ist mit drin. Laptopinhaber haben eine kleiner auswahl, jedenfalls auf kurze sicht. Der eine wie der andere müssen aber entweder mit KDE oder mit Gnome zurechtkommen, aber keiner hat einen grund auf der suche nach extra-programmen im gebirge verloren zu gehen.

 
Wo Linux glänzt
 

Intallation: Linux liegt hier meilenweit vor Windows. Die installation des betriebssystems und ganzer anwendungssuiten dauert wenig lange als die installation von XP mitsamt seiner mageren ausstattung.

 

TCO Das rennen ist gelaufen. Selbst dann, wenn du eine kommerzielle version kaufst oder die leute mit 'ner spende unterstützt, die die distro entwickelt haben, für die du dich schlußendlich entscheidest.

 

Anwendungsvielfalt Die runde geht klar an Windows - aber! Linux hat in seinem gebirge genau so viele schätze. Hier findet ihr 'ne liste mit entsprechungen:

  

Minimalausstattung Linux braucht in etwa die gleiche ausstattung wie Windows XP, um gut zu laufen und ein gutteil weniger als Vista.

 

Keine einmischungen - keine notwendigkeit für die Microsoft lizenzüberprüfung und weitere, direkt in den rechner eingreifenden überprüfungen.

 

Sicherheit. Kein bedarf für all diese anti-malware-zeug, aber wenn du schon nicht mehr ohne kannst, da gibts freie erweiterungen wie ClamAV

 
Raffinessen
 
  • Automatisches einrichten der internetverbindung (meistens)
  • Automatische partitionierung im schnellverfahren - kein langwieriges neuformatieren von festplatten.
  • 3D voreingestellt, so einfach wie wasser kochen.
  • Auswahl and desktops
  • SItzungswiederherstellung
  • Selbstkonfiguration und systemoptimierung. Das passierte mit verschiedenen distros, die schneller wurden, als sie meine gewohnheiten kennenlernten.
  • Eingebaute datensicherung und -wiederherstellung
  • Einfache datensicherung auf einen fileserver via ftp
  • Ne menge zeug, das ich noch nicht kenne
 
Was fehlt?
 

Standards Die leute haben schwierigkeiten, mit zu viel wahlfreiheit klarzukommen. Zwei desktops sind in ordnung ( und es gibt mehr ), aber der gegenwärtige krabbeltisch an 'package managern' ist schlichtweg grotesk und das geheimnisvolle wirken von einigen grenzt an zauberei. Die installationsroutinen von einigen distros liegen da nicht weit zurück. Das Portland Project beschäftigt sich mit diesen problemen und versucht, einige standards in kraft zu setzen.

 

Dokumentation Ganz dringend wird ein Linux für Dummies gebraucht zu den themen: 'desktop-manager', programmverwaltung und dateisystem.

 

Graphik Viele willige konvertiten nach Linux testen es auf ihrem zweit-rechner. Meistens sind das laptops. Viele der neueren haben ein breitbildformat und sie werden auch für den normalen PC üblich. Ich war also überrascht, daß das so schwierig war mit dem breitbildformat und der bescheidenen Intel G915/G945.

 

Aussehen und Präsentation Anwendungen, die unter Windows großartig aussehen (Firefox, OpenOffice, Thunderbird) sehen im Linuxgewand nicht so gut aus. Sie ähneln vorlagen, die nicht ganz fertig gemalt sind oder es fehlen effekte wie gedrückte und nicht gedrückte schaltflächen. Ich habe an allen Firefoxeinstellungen gedreht - ohne erfolg. Genauso fehlt die schriftglättung meistens. Dieses fehlen des letzten schliffs wird leute abhalten.

 

Wilde Auswahl Pinguinneulingen muß Linux in einer einheitlichen front gegenübertreten und ihnen verständlich die richtung weisen: willst du ein einfaches Linux - bitte zu dieser gruppe von distro hier drüben; du magst kommandozeilen - bitte hier lang; du bist selbst entwickler - dort ist es richtig für dich.

 

Disziplin mit Aussetzern Manche distros sind noch nicht bereit für den alltagseinsatz. Diese sollten klar als beta-version gekeinzeichnet werden - benutzung auf eigenes risiko