Mandrake, der Zauberer

 

Mandriva war einst bekannt als Mandrake und man sagt, es sei für tumbe nutzer wie mich gemacht. Ich kläre das mit der unterstützung für die 915-auflösung und kaufe mir ein magazin mit Mandriva 2007 - auch mit'ner schnellen verbindung dauert das stunden bei runterladen. Und die DVD kommt noch mit einer menge extra zutaten. Die installation läuft einwandfrei und ich werde laufend über den fortschritt unterrichtet.

 

An die verquere bildschirmauflösung habe ich mich inzwischen gewöhnt wie an einen freund, der länger bleibt, als er willkommen ist. Also hinein in die darstellungsoptionen und Mandrake, der zauberer, erscheint. Er sagt mir, daß ich eine Intel G945-karte habe und obendrein: soll den der richtige treiber installiert werden? Neustart - und die welt sieht wieder normal aus. Warum können das eigentlich andere nicht genauso leicht machen?

 

Mandriva kommt mit KDE als standarddesktop - genau richtig für mich - aber ich fühle mich wie'n laster. Oder sind es die extrazutaten, die den arbeitseifer von Mandrive einengen? Andererseits waren alle anderen distro, die ich getestet habe, langsamer beim start und in der reaktionszeit als XP auf der selben maschine. Eine programm anzuklicken und zu starten ist wie das klingeln nach einer krankenschwester im hospital: es dauert 'ne weile, bis du die schritte im flur hörst und sie erscheint. Und OpenOffice braucht länger zum aufwachen als ein teenager, der die ganze nacht durchgefeiert hat.

 

Es gibt'ne systemsteuerung, da kann man überflüßige prozesse abschalten, aber ich versteh nur spanisch. Aber ich muß zugeben, daß ich auch bei XP eine weile gebraucht habe - das dauert, bis man die systemprozesse kennt.

 
Linux ist nicht Windows
 

Starre regeln gelten unter Windows, wenn's ums installieren neuer programme geht. Diese werden peinlichst genau von allen befolgt - ausgenommen jenen, die 'bei hofe' arbeiten. Hier in den bergen von Mozilla, wo alles handarbeit und -werk ist, läuft die installation nach versuch und irrtum. Wenn du clever bist, holst du dir alles von da, wo du auch dein betriebssystem her hast. Dann hast du vielleicht glück. Die händler nennen das 'package management' und erzählen was von 'dependency hell', will sagen: manche sachen laufen erst, wenn du dies und das noch nachgerüstet hast.

 

Die programmverwaltung von Mandriva erlaubt dir, updates nachzuladen, du kannst dir anschauen, was installiert ist und was es sonst so noch zu kaufen gibt. Die mitgliedschaft im Mandriva-Club bringt noch mal'n paar extras, aber der 'Silber Service' (empfehlenswert für alle aus den heimanwendern) kostet auch stramme $130,-.

 

Es gibt noch einen weg, an weitere programme zu kommen, aber das schließt eine kurvenreiche reise durchs gebirge mit ein. Zunächst mußt du das dorf Urpmi finden, was auf der strecke nach RPMDrake liegt. Dort brauchst du eine führer, der dich an die 'Penguin Liberation Front' bringt. Die kollegen dort helfen dir zu finden, was du suchst - ein umständliches verfahren. Wenn du dann die programme endlich hast, sorgt die installation noch für überraschungen, weil manche softwareschmiede ihre pakete mit teer zusammen kleben. Das ist mit alles zu schwer, also wähle ich den direkten weg und lade mir Opera mit Firefox runter. Und schau-mal-einer-guck: die installation läuft reibnungslos!

 
Überraschungseier
 

(Easter Eggs sind undokumentierte programmeigenschaften...) Wenn es darum geht, die desktop- und systemeinstellungen aufzuspüren, steht KDE mit seinem verwirrenden layout Windows in nichts nach. Mit KDE geht es nicht so sehr darum 'überraschungseier' zu finden, sondern das eine ei vom anderen zu unterscheiden. So was wie 'ne systemsteuerung gibt's gleich zweimal: eine direkt unter diesem namen (KDE Systemsteuerung). Sie erlaubt den zugriff auf themen, systemfarben, hintergrundbilder u.s.w. Die Mandriva Linux Systemsteuerung hingegen versteckt sich unter 'Computer einstellen'. Hier kannst du das dateisystem durcheinanderbringen, drucker einstellen und bildschirmeinstellungen frisieren - vorausgesetzt du bist als administrator eingelogt. Diese sicherheitvorkehrungen können einem ganz schön auf die nerven gehen - immerhin mußt du dich jedesmall anmelden, wenn du da ran willst.

 

KDE ist ein puzzle mit vielen stücken vom email-programm bis zum CD-brenner. Ein teil mit dem namen Konqeror ist für einiges verantwortlich und arbeitet hier auch als dateimanager - ihn auch unter 'internetbrowser' zu führen erhöht die verwirrung.

 
Überraschungseier in 3D
 

Die Mandriva Systemsteuerung bietet 3D-effekte an. Ich vermute, die brauchen eine bessere graphikkarte als meine bescheidene Intel. Ein wenig googelei liefert 'ne menge artikel über das aktivieren der 3D-effekte für Nvidia- und ATI-karten. Ich grabe weiter und finde ein teil, das sagt, die Intel G945 reicht für'n anfang. Also haken an die 3D-option und plötzlich wird alles, was ich anklicke, ganz wabbelig. Leisten verhalten sich wie vorhänge im wind, wenn du sie bewegst, oder wie kaugummi, wenn du dran ziehst. Einmal mehr sieht die welt auf meinem bildschirm unheimlich aus, aber diesmal folgt sie eher den ideen von Salvadore Dali als den von Barney Geröllheimer.

 

Was all dieses 3D-gedöns soll, wird mir erst klar als ich die anweisungen im magazin lese, von dem ich die distro hab: die fenster bilden nun die seiten eines würfels und den kann ich drehen, verschieben, ein neues fenster auf 'ne würfelseite schieben und wenn dir das alles zu viel und unübersichtlich wird, stell das einfach wieder zurück auf 2D.

 

Dieses Zeug wird deine kumpels beeindrucken, aber es kann auch nützlich sein, wenn du mit mehreren dokumenten gleichzeitig arbeitest: hier ausschneiden und da einfügen. Natürlich gibt's das alles auch in transparent: fenster, menüs, toolbars und macht noch mehr eindruck bei deinen leuten. Mich hat überrascht, daß dieser schnickschnack auch auf meinem standardlaptop so schnell lief. Microsoft sagt, das Vista Premium auch auf dieser maschine laufen wird, aber wir wissen mittlerweile, was dieser rummel soll: rummel machen. Dell empfiehlt 2gb RAM für alles oberhalb von Vista Home und dazu nocht ne ATI oder Nvidia graphickarte. Mandrivas schicke graphiken sind kostenlos und arbeiten gut auf standard hardware - das ist das schönte daran.

 

Macken habe ich keine gefunden, nur angenehme überraschungen: irgendwann hab ich eine schraube zuviel an den einstellungen gedreht und darauf all meine toolbars verloren. Ein neustart hat das nicht nur alles wiederhergestellt, sondern auch alle programme gestartet, die ich zu dem zeitpunkt geöffnet hatte. Hier ist eine höhere intelligenz zu gange - das kannst du fühlen. Auch wird Mandriva während ich damit arbeite, immer schneller, warum weiß ich nicht. Alles, was ich weiß, ist, daß es am ende in weniger als einer minute startet.

 

Mandriva ist in meiner achtung gestiegen. Wenn du mit der großzügigen softwareliste leben kannst, und den extras in den Mandriva menüs, oder es dir nichts ausmacht, dem Club beizutreten, dann ist es eine feine alternative zu Windows Vista.

[ja - das ist auch meine linux sorte]