Nun hatte ich meine erste lektion in diesen bergen gelernt. Glaub nicht jenen, die behaupten, Linux läuft auf'ner alten maschine. Wenn ich mit Linux rumspielen will, so muß ich ganz klar mein bewegliches arbeitspferd, einen Dell laptop (Intel Core Duo, 1gb RAM) nehmen. Da sollten die beliebtesten distros einwandfrei laufen: Ubuntu, SUSE, Fedora, Mandriva, Slackware, SimplyMepis und PCLinuxOS. Das einzige problem wäre nur, daß ich eine partition erstellen müßte. Darüber wußte ich nichts, außer daß, wenn ich verbocken sollte, meine Windows-installation im eimer wäre.
Einiges googlen im netz förderte dann zutage, daß Ubuntu die partition selber erstellen kann und Windows dabei intakt läßt. Noch'n bißchen mehr googelei enthüllte dann, daß das nu nisch imma funzt. Mein Linux-führer sagt dazu: "Sie müssen ein programm wie Partition Magic benutzen, um die Windows-partition zu verkleinern."
Nach einer vollständigen datensicherung installiere ich nun Partition Magic (heftware von 'nem magazin). In der hilfe lese ich: "Partition Manager verfügt nicht über eine funktion wie 'Führe freien festplattenplatz in einer neuen partition zusammen.'" Dies muß manuell und persönlich erledigt werden.
Nun war ich in der wildnis verloren und hatte keine andere wahl, als ubuntu zu vertrauen. Die 6.10 'Edgy Eft' CD bot mir eine schnelle tour durch Südafrikas buschland in seinen rot-braunen farben; das lehne ich ab und klicke auf installieren. Das installationsprogramm braucht ne weile um sich zusammen zu suchen - dabei ist es nicht sehr mitteilsam - wie ein bankangestellter verschwindet es immer wieder im hinterzimmer und ich guck da auf'n leeren schalter. Aber dann kommt Ubuntu und stellt die üblichen fragen.
Ich habe meinen führer bei mir - für den fall der fälle. Auch sitze ich auf der stuhlkante (vielleicht heißt die distro ja deswegen Edgy?) und mache mir gedanken wegen der feuerprobe: die partitionierung. Als Ubuntu mir anbietet, die bestehende NTFS-partition zu verkleinern, und mich sogar die größe selbst bestimmen läßt, entspanne ich mich - ein wenig. Dann erstellt es drei partitionen und will wissen, ob ich glücklich bin und es weiter gehen kann. Ich überprüfe noch und nochmal alle einstellungen - man kann dem leicht folgen - schließe meine augen und antwort: JA! Einfacher hätte es nicht sein können und es war im nu vorrüber.
Nach einigen weiteren fragen über ort und zeitzone kopiert das installationsprogramm die dateien rüber und will einen neustart. Der dann folgende startbildschirm bietet mehrere optionen - Windows steht am ende und startet einwandfrei mit allem an seinem rechten platz.
Der zweite neustart bringt mich ins staubige buschland, aber die angenehme willkommensmusik hat eine saure note: die buchstaben auf dem bildschirm sehen aus, als hätte man sie aus einem Familie Feuerstein Cartoon geborgt, und die bilder waren gestreckt wie die auf einem t-shirt, daß sich zu eng über einen bierbauch spannt. Ubuntu selbst hilft da nicht weiter und stubbst mich nur an: ich soll 'updates' runterladen. Wie soll ich das denn tun, ohne zuvor eine verbindung zum internet eingerichtet zu haben? Also stöpsele ich mein laptop ein und suche die einstellungen. Dann schaue ich Ubuntu mit offenem mund zu, wie es die 'updates' runterlädt.
Wenn es sich nur auch um meine bildschirmeinstellungen kümmern wollte! Die standardoberfläche, der desktop, ist Gnome. Weil ich aber von Windows komme, fällt es mir ein wenig schwer, dem teil zu folgen. Ich höre, KDE ist intuitiver, also wäre Kubuntu die bessere wahl gewesen. Als ich die einstellungen für den bildschirm finde, ist er auf 1024 x 768. Ein pfeil führt mich zu einem auswahlfeld, allerdings ohne auswahl. Schlimmer noch, es hält auch nicht, was es verspricht und zeigt mit nur die alte, einfache 800 x 600 auflösung.
Das internet verrät dann, daß ich nicht der einzige dummie mit diesem problem bin. Die 'geeks', die alleskönner, die die hilfe-foren bevölkern, stehen mit rat und tat zur seite und schlagen dinge vor, die mit kommandozeilenakrobatik und neuprogrammierung von treibern über dem horizont dieses frischlings liegen. Die kurze version lautet ungefähr so:
"Benutze Kernel 2.6.12+ (kompiliere mit AGP/DRI unterstützung) und Xorg 6.8.99.10+ (benutze treiber i810, ändere /etc/X11/xorg.conf in 1280 x 800)"
Meine mission ist es, herauszufinden, ob Linux für den durchschnittlich begabten anwender geeignet ist. Ubuntu ist da durchgefallen - jedenfalls was die einstellungen für einen laptop-bildschirm betrifft. Das ist wirklich schade: so viele sachen gibt's hier schon - all arten von software - die installation würde unter Windows tage dauern. Und ich habe gelesen, daß die neuinstallation von programmen unter Ubuntu ein kinderspiel ist. Im gegensatz zu anderen 'distros'. Aber was soll's? Ich muß eine 'distro' finden, deren anblick ich ertragen kann