von Kim Brebach (März 2007)
Übersetzt von perubique
In königreich Windows ist ein raunen von revolte zu vernehmen. Der glanz des neuen Vista - vom herscher selbst versprochen - brauchte fünf jahre, um das gemeine volk als funktionierendes etwas zu erreichen. So hell es strahlt - so hoch ist auch sein preis. Während dieser fünf jahre sahen wir beeindruckende neue produkte von Apple, Google begann damit, software gratis zu verteilen und man hörte, der Linux-desktop sei nun soweit, es auch mit Vista aufzunehmen.
In den schluchten und tälern des Mozilla-massivs, jener opensource gebirgskette fern vom hofe zu Redmont, hielten wilde und entschlossene stämmme sich gegen den herrscher. Ihre künstler und handwerker hatten schon in alter zeit gelobt mit unverbrüchlichem eide, ihre erkenntnisse und werke frei mit allen zu teilen. Ihre schöpfungen entsproßen offenen plattformen wie UNIX und Linux, unter freizügiger verwendung geheimnisvoller werkzeuge. Nun aber hörte man sie reden, es sei entstanden ein Linux-desktop von großer schönheit.
Die einst zum royalen loyalen berichterstatter befragten nun den König, ob er denn seiner früheren tage stählernen entschlossenheit verlustig ginge? Würde der empörend hohe preis von Vista die gemeinen vom erwerb abhalten und das undenkbare fördern: revolte und kauf eines Mac? Windows durch Linux ersetzen? War dies nun fall und ende des königs und seiner macht? Sollte Vista seiner letzten pracht ewige ruhestätte werden? Und wer brachte ihn zu fall: Apple oder die rebellen von Mozilla?
In Mozilla kann man sich leicht verirren. Viele pfade führen zu entlegenen dörfern, und jeder flecken bietet eine eigene vorstellung und version von Linux. Auch die sprache will erlernt sein und bedarf der gewöhung. So deutet die wurzel (root) nicht auf das gemüse und 'dämonen' leben mit 'gnomen' zusammen, da gibt's auch pinguine und erpel (drakes) - und nicht immer herrscht frieden. Hundert von dörfern stellen hunderte von 'linüxen' her, die 'distro' (von distribution: so nennen die ihre Linux-sorte.) Tausende von kunsthandwerkern haben ebenso viele softeware-pakete zusammengestellt, und auch software-werkzeuge und andere nützlichkeiten, die unter Linux laufen. Dem neuling bietet sich das alles dar wie ein fremdes geschäft in einem fremden lande mit fremden waren und fremder sprache beschriftet - unleserlich die zeichen und unbekannt.
Ich habe mir da einen reiseführer gekauft, um mir die sache zu erleichtern. Die künstler verbreiten ihre werke auf DVD's, oder als ISO-image zum selberbrennen, und viele davon sind LIVE-CD's, die legstu halt nur ein und startest den rechner ehe du all jene schöpfungen tatsächlich installierst.
Windows hat schon viele anwender zur weißglut und zum verzweifelten verlassen des balkons durch absprung vom sölben gebracht, weil es nu aber wirklich von allem bootet, was du in deinen Rechner steckst: sei es eine CD, einen USB-stick, 'ne externe festplatte oder auch deinen linken schnürsenkel, falls du den gerade zur hand hast. Am nächsten morgen läuft's dir dann kalt den rücken runter, wenn du feststellst, das deine systemdateien auf wanderschaft und jedenfalls nicht an ihrem platze sind. Zuerst gerätst du in panik, dann wartest du mit jedem trick auf, der dir einfällt, um dem aparillo wieder leben einzuhauchen - start im abgesicherten modus, [verdaute speise] - klappt nicht - systemwiederherstellungskonsole - so gefürchtet wie die länge des wortes - klappt auch nicht. Währen dein kaffee überschwappt, weil deine hände zittern, dämmert dir so gaaanz langsam: der USB-stick is ja noch drinne!
Also, es ist'n klacks, Windows dazu zu bringen, von'ner Linux-CD zu starten. Mein reiseführer sagt: "Noch eine stunde bis zu einem funktionstüchtigen Linux-system." Allerdings schaue ich nach meiner ersten stunde mit Ubuntu immer noch auf'n leeren bildschirm und die chose hängt. Um sicher zu gehen, hab' ich meinen alten IBM-Thinkpad genommen: der jeht allerdings bei dieser steigung in die knie: magere 300Mz und 192mb arbeitsspeicher, obwohl viele sagen, das wär genug...
Der kleine bruder Xubuntu ist meine nächste wahl. Nach 20 minuten hab ich die installationsoptionen vor mir, noch mal 20 minuten für die weltkarte - da kann ich dann meine stadt und zeitzone wählen. Hoffnungsfroh klicke ich auf Sidney und werde zeuge der unheimlichsten sache, die ich je einen pc habe machen sehen:
Kontinentalverschiebung in zeitlupe. Treiben die sich doch einfach in der weltgeschichte rum: Australien kuschelt sich an Indonesien, zusammen geht's dann weiter nach Indien, Afrika macht sich auf den weg, um beide zu treffen. Xubuntu treibt nu irgendwie wech von mir.
Zenwalk soll ja irgendwie ein spaziergang dagegen sein, mit seiner schmalspur schnittstelle und den einfachen programmen. Dennoch hatte die installation mehr mit Marathon zu tun, aber: wir hamm die ziellinie erreicht. Schön blau leuchtets da vor mir und man ist bereit, benutzernamen und kennwort entgegenzunehmen. Ich hämmere 'root' in die tasten, die machen daraus alleiderdings 'r66t'. Müde augen? Also aufgepaßt und sorgfältigst nachgetippt...offensichtlich hat zu viel Zen meine tatstatur neu gemischt. Ich fühle mich wie ein mann, der gerade ein haus gebaut hat unnu nisch reinkommt...
Also spiel' ich rum mit NumLock, CapsLock und anderen feststelltasten sowie tastenkombinationen und dann ha' ick glück! Wenn ich die notebook-sondertaste 'Fn' drücke während ich schreibe, verschwinden die probleme. Allerdings spiele ich nun klavier und jemand hat eine hand auf meinen rücken gebunden. Das mute ich mir nicht so lange zu, denn Zenwalk ist so schnell wie'n arthritischer Kellner unter beruhigungsmitteln. Immerhin ist es mir gelungen, eine 'Linux-distro' zu installieren: das streichelt mein ego
Dann probier ich's mit Slax, einer mini-version von Slackware. Kommt mit einem vielversprechenden kleeblatt daher, aber nach einigen fehlstarts, läßt es ganz und gar die flügel hängen und mich auf'nen leeren bildschirm starren...
Weiter auf der liste. Damn Small Linux. Verdammt Kleines Linux. Macht seinem namen alle ehre und paßt mit 50mb auch auf einen USB-tick. Die installation geht ziemlich blitzartig, aber dann bringen die farben meine augen zum tränen: limonengrün auf hellgelb. Ich kann - auch mit verschiedenen brillen - nichts erkennen, anderer blickwinkel hilft so wenig wie das abschalten der zimmerbeleuchtung. Irgendwo, in den tiefen tiefen verborgen gibt's da knöppe. um Damn Small Linux lesbar zu machen - aber die findet nur ein erfahrender Navigator der Raumfahrerguilde.
Man sagt, Linux kann auch alten pc neues leben einhauchen, allein bisher sieht das doch alles eher nach einem todeskuß aus. Wie das leben so spielt gab es da noch ein paar dörfer mehr, die kleine, lite- oder gar winzig-versionen anbieten. Puppy Linux - das mit dem hündchen - klingt niedlich und hopst angeblich direkt von der CD ins leben, aber dann wollte es doch nicht mit dem schwanz wackeln...
Nächste haltestelle. Die vom dorf Beatrix. Die leute dort erzählen, daß der künstler vor einigen jahren nach New Orleans gemacht hat. Seit dem hurrikan Katrina hat niemand mehr etwas von ihm gehört. Solche geschichten machen die legenden in diesen bergen. Es wird erzählt, ein mann im nächsten dorf hat aus Beatrix BFX gemacht, ein sogar noch besseres Linux Lite. Dassölbe unternimmt einen heldenhaften kampf zur installation auf meinem alten ThinkPad: zeile um zeile blitzt da auf dem bildschirm auf, auch eine merwürdige meldung: irq15. Kümmert anscheinend niemanden. Ich versuche mit 'irqpoll' zu booten. Den vorbeilaufenden programmcode starre ich an wie ein archäologe, der versucht die Schriftrollen vom Toten Meer zu entziffern. Dann seh' ich, daß die zeilen sich wiederholen - dieses hundchen jagt seinen eigenen schwanz und wird tot umfallen, wenn ich es nicht stoppe.
Nun hatte ich meine erste lektion in diesen bergen gelernt. Glaub nicht jenen, die behaupten, Linux läuft auf'ner alten maschine. Wenn ich mit Linux rumspielen will, so muß ich ganz klar mein bewegliches arbeitspferd, einen Dell laptop (Intel Core Duo, 1gb RAM) nehmen. Da sollten die beliebtesten distros einwandfrei laufen: Ubuntu, SUSE, Fedora, Mandriva, Slackware, SimplyMepis und PCLinuxOS. Das einzige problem wäre nur, daß ich eine partition erstellen müßte. Darüber wußte ich nichts, außer daß, wenn ich verbocken sollte, meine Windows-installation im eimer wäre.
Einiges googlen im netz förderte dann zutage, daß Ubuntu die partition selber erstellen kann und Windows dabei intakt läßt. Noch'n bißchen mehr googelei enthüllte dann, daß das nu nisch imma funzt. Mein Linux-führer sagt dazu: "Sie müssen ein programm wie Partition Magic benutzen, um die Windows-partition zu verkleinern."
Nach einer vollständigen datensicherung installiere ich nun Partition Magic (heftware von 'nem magazin). In der hilfe lese ich: "Partition Manager verfügt nicht über eine funktion wie 'Führe freien festplattenplatz in einer neuen partition zusammen.'" Dies muß manuell und persönlich erledigt werden.
Nun war ich in der wildnis verloren und hatte keine andere wahl, als ubuntu zu vertrauen. Die 6.10 'Edgy Eft' CD bot mir eine schnelle tour durch Südafrikas buschland in seinen rot-braunen farben; das lehne ich ab und klicke auf installieren. Das installationsprogramm braucht ne weile um sich zusammen zu suchen - dabei ist es nicht sehr mitteilsam - wie ein bankangestellter verschwindet es immer wieder im hinterzimmer und ich guck da auf'n leeren schalter. Aber dann kommt Ubuntu und stellt die üblichen fragen.
Ich habe meinen führer bei mir - für den fall der fälle. Auch sitze ich auf der stuhlkante (vielleicht heißt die distro ja deswegen Edgy?) und mache mir gedanken wegen der feuerprobe: die partitionierung. Als Ubuntu mir anbietet, die bestehende NTFS-partition zu verkleinern, und mich sogar die größe selbst bestimmen läßt, entspanne ich mich - ein wenig. Dann erstellt es drei partitionen und will wissen, ob ich glücklich bin und es weiter gehen kann. Ich überprüfe noch und nochmal alle einstellungen - man kann dem leicht folgen - schließe meine augen und antwort: JA! Einfacher hätte es nicht sein können und es war im nu vorrüber.
Nach einigen weiteren fragen über ort und zeitzone kopiert das installationsprogramm die dateien rüber und will einen neustart. Der dann folgende startbildschirm bietet mehrere optionen - Windows steht am ende und startet einwandfrei mit allem an seinem rechten platz.
Der zweite neustart bringt mich ins staubige buschland, aber die angenehme willkommensmusik hat eine saure note: die buchstaben auf dem bildschirm sehen aus, als hätte man sie aus einem Familie Feuerstein Cartoon geborgt, und die bilder waren gestreckt wie die auf einem t-shirt, daß sich zu eng über einen bierbauch spannt. Ubuntu selbst hilft da nicht weiter und stubbst mich nur an: ich soll 'updates' runterladen. Wie soll ich das denn tun, ohne zuvor eine verbindung zum internet eingerichtet zu haben? Also stöpsele ich mein laptop ein und suche die einstellungen. Dann schaue ich Ubuntu mit offenem mund zu, wie es die 'updates' runterlädt.
Wenn es sich nur auch um meine bildschirmeinstellungen kümmern wollte! Die standardoberfläche, der desktop, ist Gnome. Weil ich aber von Windows komme, fällt es mir ein wenig schwer, dem teil zu folgen. Ich höre, KDE ist intuitiver, also wäre Kubuntu die bessere wahl gewesen. Als ich die einstellungen für den bildschirm finde, ist er auf 1024 x 768. Ein pfeil führt mich zu einem auswahlfeld, allerdings ohne auswahl. Schlimmer noch, es hält auch nicht, was es verspricht und zeigt mit nur die alte, einfache 800 x 600 auflösung.
Das internet verrät dann, daß ich nicht der einzige dummie mit diesem problem bin. Die 'geeks', die alleskönner, die die hilfe-foren bevölkern, stehen mit rat und tat zur seite und schlagen dinge vor, die mit kommandozeilenakrobatik und neuprogrammierung von treibern über dem horizont dieses frischlings liegen. Die kurze version lautet ungefähr so:
"Benutze Kernel 2.6.12+ (kompiliere mit AGP/DRI unterstützung) und Xorg 6.8.99.10+ (benutze treiber i810, ändere /etc/X11/xorg.conf in 1280 x 800)"
Meine mission ist es, herauszufinden, ob Linux für den durchschnittlich begabten anwender geeignet ist. Ubuntu ist da durchgefallen - jedenfalls was die einstellungen für einen laptop-bildschirm betrifft. Das ist wirklich schade: so viele sachen gibt's hier schon - all arten von software - die installation würde unter Windows tage dauern. Und ich habe gelesen, daß die neuinstallation von programmen unter Ubuntu ein kinderspiel ist. Im gegensatz zu anderen 'distros'. Aber was soll's? Ich muß eine 'distro' finden, deren anblick ich ertragen kann
Beim zeitungshändler im nächsten dorf finde ich ein magazin mit Fedora Core 6 und Open SUSE 10.1 - komplett mit handbuch. Das sind nummer 2 und 3 auf der Linux-hitparade und ich kaufe beide. Eine besprechung im heft sagt, daß Fedora Core 6 mit 'Pirut' und 'Yum' daher getrampelt kommt. Inzwischen habe ich genug vom örtlichen dialekt aufgeschnappt um zu wissen, daß anstrengende streifzüge ins gebirge anstehen, wenn ich zusätzliche weichware möchte.
SUSE erscheint als die bessere wahl: immerhin kommt's mit'nem handbuch daher, auch wenn ich 'ne lupe brauche, um es im düstern licht einer mitternächtlichen öllampe zu lesen. Der autor meint, am besten wär's, SUSE auf einer 'frischen' festplatte zu installieren und fügt den hilfreichen rat hinzu, daß die ja doch ganz preiswert seien - dieser tage. Das partitionieren übergeht er wie die option, beide betriebsystem nebeneinander zu installieren. Dies sei jenseits der möglichkeit des handbuchs. Also ab damit auf den wachsend haufen CD's, die es nicht gebracht haben. Da Ubuntu neue partitionen angelegt hat, denk ich mir, die wird SUSE doch finden und so ist es auch: sd2/dev, sd3/dev und so weiter. Ich lese NTFS bei sd1/dev und das reicht als tip, um die windows-partition zu finden. Alo klicke ich auf sd3, um SUSE zu installieren und atme tief durch.
SUSE will viel mehr wissen als Ubuntu und das ganze dauert eine stunde. Nach dem neustart zeigt mir der blaue bildschirm, daß Windows immer noch eine option ist - sehr entspannend. Wie Ubuntu braucht auch SUSE seine zeit bis zur aufnahme des dienstes, und wieder einmal sehe ich eine szene direkt aus Familie Feuerstein. Ansonsten ist alles, wo es sein soll, abgesehen von Gnome - ich hab' mir so'n kopp wegen der partition gemacht, daß ich die option KDE ganz verpaßt habe.
Bildschirmauflösung mit Schreiauslösung
Die liste der bildschirmauflösungen unter SUSE scheint die letzten 20 jahre abzudecken. Ich picke eine auflösung von 1200x800 und den Intel G945-grafiktreiber - das führt zu einer leiste, auf der steht: 1024x768 - Annehmen oder Ablehnen. Ich lehne ab und gehe ein dutzend mal durch diese endlosschleife, mit unterschiedlichen optionen, bevor ich dan aufgebe, weil ich befürchte, wahnsinnig zu werden. Wir sprechen hier nicht von irgendwelchen obskuren bildschirmen und unheimlichen treibern - Intel G915/G945-karten gibt's so viele wie sand am meer.
Eine schnelle überprüfung im internet ergibt, daß auch SUSE mit INTEL-graphikkarten probleme hat. Die ach-so-hilfreichen alleswisser, die die bevölkerung dieser berge bilden, bewerfen dich mit der üblichen kommandozeile, aber ich verliere doch bald das interesse. Ich seh' doch glatt, wie sie ihre weisen häupter schütteln und ich höre sie sagen: Ja, du kannst mit Linux alles mache, aber du mußt natürlich ein kleines bißchen darüber lernen. Wahr, aber ich bin ein typischer Windows-benutzer. Habt ihr jemals versucht, ein Windows-handbuch zu lesen? Oder eine technische mitteilung? Die sind so verständlich wie steuerformulare.
Ich starte neu, will sehen, ob XP noch läuft. Da ist es - schwarz-weiß und fragt, ob ich womöglich nochmal starten möchte - vielleicht im abgesicherten modus? Meine hände zittern, nochmal neustart. Dieses mal kommt Windows XP, aber alle buchstaben sind wie in einer sardinenbüchse zusammen gequetscht. Tauchfahrt in Windows hinein, um die bildschirmauflösung zu korrigieren. Zumindest kenne ich mich in XP aus, das ist also einfach. Dabei fällt mir ein, daß ich nie geglaubt habe, ich würde einmal sage, daß unter Windows etwas einfach ist.
Es gibt distros, die es Windowsflüchtlingen leicht machen - so der anspruch. PCLinuxOS hat viele eifrige fans, aber die einzige version, die auf deren website angeboten wird, ist eine beta 2, allerdings liest man in mehreren besprechungen, die sei stabil und man könne einfach damit arbeiten. Also überprüfe ich die unterstützung für Intel G915 und man versichert, das sei mit einem klick installiert. Dank Synaptic, einem sog. 'package manager' - der hilft beim installieren von weichware.
PCLOS stellt 'ne menge fragen, sogar wenn es nur von CD laufen soll. Meine sprache, zeitzone und internetverbindung. Die installation dauert über 20 minuten (die mittlerweile bekannte partitionierung eingeschlossen), aber der bildschirm steht wieder auf 800x600. Als ich mir die einstellungen ansehe, erfahre ich, daß ich mehr glück hätte, wenn ich die 915-auflösung installiere - ob ich das denn jetzt tun möchte? I klicke auf den OK-knopp und reibe mir die hände in vorfreude. PCLOS ist sofort zurück und teilt mit, daß es leider nicht tun könne, was es versprochen hat, sorry.
Ich vergrabe mich nun in Synaptic über eine schaltfläche, die sich 'vereinbarungen' nennt, finde eine 915-auflösung, markiere sie zur installation und klicke 'übernehmen'. Jetzt teil mir Synaptic mit, daß das auch nicht klappt und ich fange an zu glauben, daß etwa grundlegende fehlen muß. Firefox startet ohne verbindung, also ab in die systemsteuerung und DSL einrichten, zurück zu den bildschirmeinstellungen und endlich wird PCLOS den Feuerstein-look los.
PCLinux bietet KDE als oberfläche. Damit komme ich besser klar als mit Gnome. Die liste der installierten programme umfaßt OpenOffice, Scribus, Thunderbird und MPlayer für filme auf DVD. Obwohl PCLOS noch in arbeit ist, scheint es flinker zu sein, als die zwei vorherigen distros. Nur OpenOffice schleicht sich auf den bildschirm.
Etwas anderes machte mir noch kopfzerbrechen. Steuerleisten hingen da in der gegend rum und ich konnte sie nicht schließen, was auch immer ich tat. Abmelden würde zu schwarz-weißen linien führen - also einfach abschalten. Nach dem neustart fehlt die internetverbindung wieder, das passiert allerdings auch, wenn ich den rechner normal runterfahre.
PClLinuxOS hat gewiß seine vorzüge, aber die derzeitige beta-version ist nicht stabil. Beta-3 wird gerade veröffentlicht, also ist's wohl nicht mehr lange bis zur fertigstellung.
Wie auch PCLOS, bietet Xandros einen 3D-desktop, aber ich denke mir: lern zuerst mal gehen, bevor du einen doppelten salto rückwerts versuchst. Nach der installation der üblichen updates - wie auch Ubuntu findet Xandros meine interneteinstellungen - spiele ich mit dem Xandros-dateimanager rum. Der funktioniert erfreulicherweise ähnlich wie der Windows Explorer und zeigt mir sowohl meine Linux- als auch mein Windowspartition als festplatte an. Windows hingegen - was will man da schon erwarten - tut so, als ob es Linux nicht gibt.
Müßige neugier bringt mich dazu, eine datensicherung mit Windowsdateien einzulegen. Ich bin natürlich darauf gefaßt, daß Xandros mir die rote karte zeigt oder eine rüde nachricht. Doch im gegenteil sehe ich eine auflistung der ordner und die dateien lassen sich mit einem klick öffnen. Ein Worddokument erweckt OpenOffice zum leben - endlich - und es macht, was sein name verspricht. Genauso öffnet es PDF- und HTML-dateien, ja sogar Powerpointpräsentationen. Nur bei den Publisherdateien muß Xandros passen.
Das bedeutet, ich kann 99% meiner dateien von meiner Windowspartition kopieren. Du kannst sogar dateien auf die Windowspartition kopieren. Die professionelle Version beinhaltet auch 'CrossOver', damit kannst du Windowsprogramme unter Linux laufen lassen, aber die liste ist kurz und du findest darauf antike programme wie den Acrobat Reader in Version 5. Auch der Publisher fehlte und sonst fand ich nichts interessant.
Die wanze fuhr voll auf und bestand darauf, alle dateien zu untersuchen - auf einem neuen system ohne jedwede benutzerdateien. Abgesehen von dieser ärgerlichen wanze macht Xandros genau das, was es angekündigt hat. Es eröffnet dem Windowsnutzer einen leichten übergang in die Berge von Mozilla. Wenn du wirklich nur eine vertraute zuflucht vor Windows suchst: Xandros bietet sie. Die professionelle variante kostet $99,- mit Codeweaver's Crossover, die 'Home Edition' gibt's für die hälfte.
Wenn du andererseits die neuheiten der Linuxwelt erforschen willst, so ist Xandros vielleicht die falsche wahl. Viele programme sind mit neuem markenzeichen versehen und es ist nicht so einfach herauszufinden, was Linux ist, und was Xandros. Auch ist die liste der klick-und-installiere-jetzt-programme im Xandrows Netzwerk beschänkt und wer weiß, ob das sicherheitsnetz noch hält, wenn du mehr willst.
Mandriva war einst bekannt als Mandrake und man sagt, es sei für tumbe nutzer wie mich gemacht. Ich kläre das mit der unterstützung für die 915-auflösung und kaufe mir ein magazin mit Mandriva 2007 - auch mit'ner schnellen verbindung dauert das stunden bei runterladen. Und die DVD kommt noch mit einer menge extra zutaten. Die installation läuft einwandfrei und ich werde laufend über den fortschritt unterrichtet.
An die verquere bildschirmauflösung habe ich mich inzwischen gewöhnt wie an einen freund, der länger bleibt, als er willkommen ist. Also hinein in die darstellungsoptionen und Mandrake, der zauberer, erscheint. Er sagt mir, daß ich eine Intel G945-karte habe und obendrein: soll den der richtige treiber installiert werden? Neustart - und die welt sieht wieder normal aus. Warum können das eigentlich andere nicht genauso leicht machen?
Mandriva kommt mit KDE als standarddesktop - genau richtig für mich - aber ich fühle mich wie'n laster. Oder sind es die extrazutaten, die den arbeitseifer von Mandrive einengen? Andererseits waren alle anderen distro, die ich getestet habe, langsamer beim start und in der reaktionszeit als XP auf der selben maschine. Eine programm anzuklicken und zu starten ist wie das klingeln nach einer krankenschwester im hospital: es dauert 'ne weile, bis du die schritte im flur hörst und sie erscheint. Und OpenOffice braucht länger zum aufwachen als ein teenager, der die ganze nacht durchgefeiert hat.
Es gibt'ne systemsteuerung, da kann man überflüßige prozesse abschalten, aber ich versteh nur spanisch. Aber ich muß zugeben, daß ich auch bei XP eine weile gebraucht habe - das dauert, bis man die systemprozesse kennt.
Starre regeln gelten unter Windows, wenn's ums installieren neuer programme geht. Diese werden peinlichst genau von allen befolgt - ausgenommen jenen, die 'bei hofe' arbeiten. Hier in den bergen von Mozilla, wo alles handarbeit und -werk ist, läuft die installation nach versuch und irrtum. Wenn du clever bist, holst du dir alles von da, wo du auch dein betriebssystem her hast. Dann hast du vielleicht glück. Die händler nennen das 'package management' und erzählen was von 'dependency hell', will sagen: manche sachen laufen erst, wenn du dies und das noch nachgerüstet hast.
Die programmverwaltung von Mandriva erlaubt dir, updates nachzuladen, du kannst dir anschauen, was installiert ist und was es sonst so noch zu kaufen gibt. Die mitgliedschaft im Mandriva-Club bringt noch mal'n paar extras, aber der 'Silber Service' (empfehlenswert für alle aus den heimanwendern) kostet auch stramme $130,-.
Es gibt noch einen weg, an weitere programme zu kommen, aber das schließt eine kurvenreiche reise durchs gebirge mit ein. Zunächst mußt du das dorf Urpmi finden, was auf der strecke nach RPMDrake liegt. Dort brauchst du eine führer, der dich an die 'Penguin Liberation Front' bringt. Die kollegen dort helfen dir zu finden, was du suchst - ein umständliches verfahren. Wenn du dann die programme endlich hast, sorgt die installation noch für überraschungen, weil manche softwareschmiede ihre pakete mit teer zusammen kleben. Das ist mit alles zu schwer, also wähle ich den direkten weg und lade mir Opera mit Firefox runter. Und schau-mal-einer-guck: die installation läuft reibnungslos!
(Easter Eggs sind undokumentierte programmeigenschaften...) Wenn es darum geht, die desktop- und systemeinstellungen aufzuspüren, steht KDE mit seinem verwirrenden layout Windows in nichts nach. Mit KDE geht es nicht so sehr darum 'überraschungseier' zu finden, sondern das eine ei vom anderen zu unterscheiden. So was wie 'ne systemsteuerung gibt's gleich zweimal: eine direkt unter diesem namen (KDE Systemsteuerung). Sie erlaubt den zugriff auf themen, systemfarben, hintergrundbilder u.s.w. Die Mandriva Linux Systemsteuerung hingegen versteckt sich unter 'Computer einstellen'. Hier kannst du das dateisystem durcheinanderbringen, drucker einstellen und bildschirmeinstellungen frisieren - vorausgesetzt du bist als administrator eingelogt. Diese sicherheitvorkehrungen können einem ganz schön auf die nerven gehen - immerhin mußt du dich jedesmall anmelden, wenn du da ran willst.
KDE ist ein puzzle mit vielen stücken vom email-programm bis zum CD-brenner. Ein teil mit dem namen Konqeror ist für einiges verantwortlich und arbeitet hier auch als dateimanager - ihn auch unter 'internetbrowser' zu führen erhöht die verwirrung.
Die Mandriva Systemsteuerung bietet 3D-effekte an. Ich vermute, die brauchen eine bessere graphikkarte als meine bescheidene Intel. Ein wenig googelei liefert 'ne menge artikel über das aktivieren der 3D-effekte für Nvidia- und ATI-karten. Ich grabe weiter und finde ein teil, das sagt, die Intel G945 reicht für'n anfang. Also haken an die 3D-option und plötzlich wird alles, was ich anklicke, ganz wabbelig. Leisten verhalten sich wie vorhänge im wind, wenn du sie bewegst, oder wie kaugummi, wenn du dran ziehst. Einmal mehr sieht die welt auf meinem bildschirm unheimlich aus, aber diesmal folgt sie eher den ideen von Salvadore Dali als den von Barney Geröllheimer.
Was all dieses 3D-gedöns soll, wird mir erst klar als ich die anweisungen im magazin lese, von dem ich die distro hab: die fenster bilden nun die seiten eines würfels und den kann ich drehen, verschieben, ein neues fenster auf 'ne würfelseite schieben und wenn dir das alles zu viel und unübersichtlich wird, stell das einfach wieder zurück auf 2D.
Dieses Zeug wird deine kumpels beeindrucken, aber es kann auch nützlich sein, wenn du mit mehreren dokumenten gleichzeitig arbeitest: hier ausschneiden und da einfügen. Natürlich gibt's das alles auch in transparent: fenster, menüs, toolbars und macht noch mehr eindruck bei deinen leuten. Mich hat überrascht, daß dieser schnickschnack auch auf meinem standardlaptop so schnell lief. Microsoft sagt, das Vista Premium auch auf dieser maschine laufen wird, aber wir wissen mittlerweile, was dieser rummel soll: rummel machen. Dell empfiehlt 2gb RAM für alles oberhalb von Vista Home und dazu nocht ne ATI oder Nvidia graphickarte. Mandrivas schicke graphiken sind kostenlos und arbeiten gut auf standard hardware - das ist das schönte daran.
Macken habe ich keine gefunden, nur angenehme überraschungen: irgendwann hab ich eine schraube zuviel an den einstellungen gedreht und darauf all meine toolbars verloren. Ein neustart hat das nicht nur alles wiederhergestellt, sondern auch alle programme gestartet, die ich zu dem zeitpunkt geöffnet hatte. Hier ist eine höhere intelligenz zu gange - das kannst du fühlen. Auch wird Mandriva während ich damit arbeite, immer schneller, warum weiß ich nicht. Alles, was ich weiß, ist, daß es am ende in weniger als einer minute startet.
Mandriva ist in meiner achtung gestiegen. Wenn du mit der großzügigen softwareliste leben kannst, und den extras in den Mandriva menüs, oder es dir nichts ausmacht, dem Club beizutreten, dann ist es eine feine alternative zu Windows Vista.
[ja - das ist auch meine linux sorte]
Novell bietet eine 60-tage testversion für SLED 10. Die standardinstallation verläuft einfach und dauert etwa 40 minuten. Als der spaß endlich losgeht, macht Novell auf Microsoft: registration, produktschlüssel, zugang zu updates und support. Dauert nochmal 'ne halbe stunde plus weitere 40 minuten für die updates. Die 800x600-auflösung verursacht sorgenfalten, aber schlußendlich schafft SLED den ausgleich und bietet an, den bildschirm auf 1200x800 zu setzen.
Vergleicht man den standard desktop Gnome mit der Sahara, so sieht die saftig und grün aus. Außer ein paar ordnern und'nem knopp 'Mein Computer' direkt neben einem bleistift jibbet et hier nischt zu sehen. 'My Computer' stellt sich als 'Start' heraus. Damit öffnet man ein fenster mit ein paar programmen, eine schaltfläche 'Weitere Programme' sowie pfeile für 'hilfe' und 'systemsteuerung'. 'Weitere Programme' stellt das andere extrem dar und öffnet eine ledergebunde, 24-bändige programmbibliothek mit 160 programmen:
Gruppen links, den rest der weinkarte rechts. Wenn du 'ne gruppe anklickst, gibt's rechts ne farbveränderung, aber das dauert doch alles noch viel zu lange.
Es gibt keine leiste oben am bildschirm. Hm - bei Ubuntu ist da eine. Als greif ich mir den Gnome, stelle ihn auf den kopf, schüttele ihn ein paar mal und schon gibt er zu, mit dem rechten rechts-click läßt sich das ändern. Die zeigt mir drei einträge: 'Anwendungen - Orte - Desktop', alles mit verständlichen klappmenüs - auch endlich den lange vermissten 'RUN'-befehl.
Novell will SLED an unternehmen verkaufen und so wundert es doch ein wenig, daß es zwar 'ne menge für unterhaltung gibt, aber nicht ein einziges DTP-paket. 'Totem' ist ein player, aber er spielt meine DVD's nicht. Ich versuche, Opera wie unter Mandriva zu installieren, aber SLED verwandelt das alles in eine teerkugel mit ein paar kisten in braunem packpapier. Keine hilfe zum auspacken.
Novell's Package Manager (YaST) führt ne latte an programmen und komponenten auf: das sagt mir alles nichts. Kein programm, das ich suche. Im internet finde ich dann den link unten, wie ich an das lagerhaus für programm der OpenSUSE-community komme. (► hier)
Dieser ausflug war nicht so anstrengend wie die reise an die Penguin Liberation Front, aber es hat auch gedauert. Aber sobald die 'requisite' hinzugefügt ist, spüre ich Opera auf und YaST installiert mir das im flug. Genauso einfach geht's mit Scribus. Aber aufgepaßt: du riskierst, daß die leute vom Novell-support dich anspucken - OpenSUSE ist auch von Novell aber doch eine andere baustelle.
Falls Novell versuchen sollte, Windowskunden zu gewinnen, dann ist der Gnome-desktop nicht die beste wahl - das teil bringt dich schneller zu weißglut als ein ekliger kellner in einem feinen restaurant. Manches ist einfach nicht dort, wo es sein sollte, wie z.b. ein 'öffnen mit' im kontextmenü oder ein 'als hintergrundbild' bei photos. Und die anmeldeeinstellungen sind tiefstens verborgen unter 'sicherheit'.
Als ich auf KDE umschalten will, find ich das teil nicht (ich erinnere mich, das ich ihn installiert habe) Ich schraube und löte, lese im ermüdenden benutzerhandbuch und finde eine 'Session'-option beim anmeldebildschirm. Ich habe autoanmelden gewählt - ging also immer vorbei an mir. Und ich habe mich immer über Windows und seine fallen für unaufmerksame anwender beschwert...
Der hiesige KDE-desktop sieht ganz anders aus als die Mandriva-variante, sieht auch ein bißchen schwerfällig aus und macht nu alles wieder langsamer. Also versuch ich's doch zu guter letzt mit Gnome und seinen runderen fenstern. Ich schüttele noch mal und er bietet dann ein 'Traditionelles Hauptmenü' an - als taskbar unten am bildschirm mit nachvollziehbaren klappmenüs. Ich zieh da noch ein paar schnellstart-symbole drauf und stelle fest, daß die leiste oben nun überflüssig ist. Mit der taskbar unten - klein und transparent - einem netten strandphoto als hintergrund gewinnt das aussehen von SLED durch seine einfache eleganz meinen respekt.
Das photo als hintergrund einzurichten war 'ne aufgabe, weil weder der dateimanager noch der bildbetrachter die option bietet: 'als Hintergrund verwenden'. Rein zufällig finde ich heraus, daß du deine photos 'hintergrundeinstellungen' hinzufügen kannst und von da geht's dann mit einem klick.
Die 3D-spielzeuge sind so schnell eingestellt wie unter Mandriva und die option bieten so viele einstellungen, daß ich gar nicht weiß, was ich damit anfangen soll.
Fairerweise will ich sagen, daß keine dieser beiden oberflächen, KDE oder Gnome, schwerer zu begreifen sind als Windows XP - Ich hatte dieselben probleme, als ich zum ersten mal diesen langweiligen grünen rasen sah. Daß ich bis zum ärmel in die verschiedenen distros eingestiegen bin, mit verschiedenen desktops, hat natürlich noch zur verwirrung beigetragen. Ein anwender wird in der regel nur eine distro lernen müssen. Die herausforderung liegt darin, die richtige zu finden.
Meine entscheidung für Gnome verschließt mit nicht den zugang zu den KDE-programmen wie 'K3b', 'burner', 'Kaffeine', 'KAudioCreator' und 'Kino'. Funzt auch umgekehrt: wenn du KDE wählst, kannstu die Gnome-anwendung nutzen und so bietet SLED das beste der beiden welten. Novell sagt, es hat viel an OpenOffice gearbeitet (gehört denen ja auch), um eine bessere unterstützung für MS Office makros zu bieten, Excel im besonderen. Mit im sack ist auch noch AppArmour, ein sicherheitspaket, das programme im 'sandkasten' laufen lassen soll. Ein nützlicherer zusatz ist das laptop-paket für's 'power-management' und kabellose kommunikation.
Es gibt sogar einen prozeßmanager, der dem XP Task Manager ähnelt. Er verrät, daß SLED 250mb RAM belegt und 3gb festplattenplatz. Nicht schlecht für ein vollausgestattetest betriebssystem mit einer schiffsladung von tools und programmen. Sogar als ein halbes dutzen programme läuft, braucht SLED nur 400mb arbeitsspreicher.
Ein kaltstart dauert ne weile, aber sobald SLED in bewegung ist, reagiert es schnell auf jede ruderbewegung. Zum ersten mal sehe ich sowohl Firefox als auch OpenOffice in sekunden und nicht in minuten starten, so die tuning-abteilung in der Novellschmiede hat ihre arbeit gut gemacht.
In meinem laptop habe ich nicht so viel schicke hardware, aber ich habe eine reihe von druckern in meinem büro. Also wähle ich in der systemsteuerung 'drucker hinzufügen' und SLED wählt sofort den HP 3100 Photosmart und will auch gleich den treiber installieren. Oh ja bitte, sag ich, das ergebnis ist ne leere seite. Ich überprüfe das auf der HP website - 3100 wird noch nicht unter Linux unterstützt, dafür aber mein zweiter drucker, ein HP Laserjet 1300. Ich stöpsele und wieder ne leere seite.
Also check ich wieder bei HP, kriege ein treiberset und anweisungen für eine einfache installation über die konsole. Ich stolpere über die ersten instruktionen und wende mich nun vertrauensvoll an YaST, das teil hat mir schon mit anderen problemen geholfen. Ich mache ein paar angaben und dann soll ich den drucker testen. Und siehe da: es klappt.
SUSE Linux Enterprise Desktop ist eine seriöse alternative für Vista: geschäftskunden werden wenig zu beanstanden haben und eine anzahl vernünftiger kniffe. Die heimanwender hingegen werden viel unterhaltung finden. Die dokumentation ist umfangreich und die QuickStart Tour zeigt dir alles sehenswerte in der neuen landschaft. Novells SLED kostet $50,- und schließt ein jahr update und support mit ein.
Die leute im internet sagen, es ist wie Ubuntu - nur besser. Wenn du die Live-CD runterlädst, kannst du dir die sache ansehen, bevor du installierst. Und davor kannst du tatsächlich mit F3 die bildschirmauflösung aussuchen und meine moral steigt, als ich die 1280x800 option sehe. Die installation verläuft einfach, mit einem verlaufsbalken, ausgewählten tips und zeitvertreib.
Nach dem neustart bin ich wieder in der steinzeit. Die bildschirmeinstellungen behaupten, die auflösung sei 1024x768 und bietet keine verbesserung. Andere, tiefer verborgene einstellungen sind auch nicht großzügiger. Wieder hilft Google weiter: ich bin nicht der einzige mit diesem problem. Ich werde auf seiten verwiesen, deren hilfe die übliche komandozeilenchirurgie verlangt.
Das beste kommt von einem mitglied, das schreibt, Mepis zu installieren sei ein spaziergang, die bildschirmauflösung inklusive. "Ich hab' das nun schon so oft gemacht" steht da:
"Ich mach das mit 'nem script, das ich geschrieben habe, um dieses patch ordentlich zu installieren. Ich kann mich noch erinnern, wie schwierig es sein kann, gerade als anfänger, die 915-auflösung zu installieren und zwar so, daß es jedesmal klappt, wenn du den computer startest."
Mit den beiden distros von Ubuntu hatte ich kein glück und bin nicht scharf auf 'ne dritte, aber der Große Gizmo schlägt Linux Mint vor. Meine begeisterung sinkt noch weiter, als ich in den foren lese, daß es probleme mit der 915-auflösung gibt. Schlimmer. Das intallieren von Mint hat ihre Windowsinstallation geplättet.
Die version 2.2, die ich runterlade, wurde von ihren Irischen schöpfern auf den namen 'Bianca' getauft. Ich starte die Live-CD und sie startet sofort mit der 1280x800 auflösung. Nach diesem beeindruckendem debut konnte ich es kaum noch aushalten, mehr von Bianca zu sehen. Mint benutzt gpart und das erfordert deine komplette aufmerksamkeit. Der vorgang ist logisch, wenn auch etwas nervenaufreibend für ein pinguinküken.
Das Mint-logo sieht aus wie eine scheibe anissamen mit einem hellen weißen mittelpunkt, der wie die Venus strahlt. Man sagt, Venus sei ein trügerischer planet, aber hier findet jedenfalls kein trug statt. Tatsächlich war die installation ein spaziergang und schlägt alle rekorde: 15 minuten alles inklusive. Bianca wirft sogar die CD aus, bevor es von der platte neustartet, etwas, was die anderen sich weigern zu tun und du mußt dann das teil rechtzeitig nach dem neustart rausfummeln.
Die Dame Bianca stellt sich als eine schnelle in jeder beziehung heraus. Innerhalb eine halben stunde kann ich richtig loslegen, eine zeit, die jede vernünftige erwartung übertrifft. Bianca hat die internetverbindung von anfang an und erzählt mir, es gibt da updates zum runterladen und macht das dann ohne weitere umstände.
Gnome ist hier anders als bei Novell - der südafrikanische vetter eben - und du fragst dich, warum die künstler dieses teil nicht in ruhe lassen können. Die themen-auswahl ist begrenzt und da fehlt auch glanz. Der startbildschirm sieht aus wie ein rückschlag in die alten tage von DOS - ganz klar: Biancea steckt noch in der pubertät. Zum schluß bin ich mit dem Ubuntu-standardthema einverstanden, besser als Biancas gallegrün mit blau. Ich bin also zurück, wo die reise durch diese berge begonnen hat: im buschland. Eigentlich macht mir das nichts, ich verstehe nun immerhin, warum das Dorf Ubuntu so ein beliebtes ziel ist.
Sie hätten es Blitz-Linux nennen sollen - es zündet in 40 sekunden, der drehzallmesser bäumt sich auf. Firefox und OpenOffice springen auf den bildschirm wie von einer schleuder gescfhossen, und genau so ist's mit allem anderen. Das ist die schnellste Linux-distro, die ich bisher getestet hab.
Die option 'Hinzufügen/Entfernen' ist ein schönes stück arbeit. Die Englischen paketbeschreibungen beinhalten logos und beliebtheitsskala, und die bereits installierten anwendungen haben ein häkchen. Wenn du noch was installieren willst, klick's an, click auf 'andwenden', lehn dich zurück und sieh zu, wie das runterladen und installieren direkt vor deinen augen geschieht. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Ubuntu so beliebt ist: die liste der programme ist länger als der Limpopo. Keine lange expeditionen ins gebirge mehr - alles ist nur einen mausklick entfernt. Opera, Gimp und NVU, sogar Xara-Extreme und Inksape, und alles ist einfacher zu intallieren als unter Windows.
Bianca kann sofort eine Video-DVD abspielen (Mandriva und SLED wollten das nicht) und macht die knöppe meines Dell Laptops zu lautstärkereglern - noch mal nummer 1 von allen distros, die ich bisher getestet habe. Sie übernimmt das 'Power Management' für den laptop und läßt mich wissen, Mint braucht 230mb hauptspeicher und 2,6gb festplattenplatz.
Sie bietet auch dinge an, die streng genommen nicht wirklich legal sind, wie MPlayer und Java. Es gibt da mögliche rechtsverletzungen, aber die Mint-website sagt, daß sich ihre entwickler für komplette freiheit entschieden haben. Für jene von uns, die die Microsoftbeschränkungen und das häufige rumpolken in den innersten innereien unserer PCs ablehnen, ist das schlichtweg Nirvana.
Leider ist Nirvana ein mythischer ort. Nachdem ich ein paar packages installiert habe, meldet sich Mint nach dem nächsten start mit überlast ab. Auf dem bildschirm lese ich: " warning – not loading blacklisted module ipv6" Ist das ne einmalvorstellung oder habe ich was vermurkst? Da ich von Mint schwer beeindruckt bin, installiere ich es nochmal. Ich lade nur ein paar teile runter, inklusive Opera, und jetzt teilt mir Bianca mit, ich hätte da ein beschädigtes paket und nötigt mich, die filter in Synaptic zu überprüfen. Dieser spur folge ich und fühle mich ganz schnell wie ein blinder, der die einlage eines glückskeks im dunkeln lesen soll.
Als Opera abschmiert und sich für den schnellen abgang entschuldigt, hab ich so'ne ahnung, daß das das problem ist und deinstalliere es. Das symbol für 'beschädigtes paket' verschwindet und Mint ist wieder glücklich, aber am nächten tag startet es nochmal nicht. Das ist 'ne schande, aber diese losen enden fliegen dir um die ohren. Das beste, was ich hier sagen kann, ist: Bianca hat ein großes potential. Ubuntu mit diesen extras hier muß es schaffen!
Ich hab dies Linux-systeme so behandelt, als ob sie kommerzielle produkte wären und sie mit Windows XP und Vista verglichen. Die letzten beiden sind produkte eine firma, die unbegrenzte finanzielle mittel und arbeitskräfte hat, während der großteil von linux die arbeit von unbezahlten enthusiasten ist. Daß die ergebnisse tatsächlich vergleichbar sind, ist erstaunlich, das manche distros eine ernstzunehmende alternative zu Windows sind, ist eine wunderbare nachricht.
Es war eine aufregende reise für mich und wie jemand, der Indien und China jenseits der fünf-sterne-hotels bereist hat, kehre ich von der erfahrung überwältigt zurück. Die farben, die vielfalt und den reichtum an idee, die ich gesehen habe, lassen das königreich von Windows ziemlich schwach aussehen.
Es gab da schwierigkeiten wie fremde sitten, merkwürdige dialekte und ausländisches geld. Im gegensatz dazu erscheint Windows XP so vertraut wie die örtliche supermarkt, aber das hat auch vieler frustrierender besuche bedurft, ehe ich mich da zurecht gefunden habe. Warum soll das bei Linux anders sein?
Nörgler meinen, du kannst das auf gar keinen fall deiner lieblingstante zeigen. Aber hallo: würdest du der denn einen Windows-PC geben und sie alleine lassen? Auf gar keinen fall! Ne menge zeug läuft nicht auf meinem Windows PC: Outlook macht einfach dicht und weigert sich ohne jeden grund, meine emails zu verschicken. Sechs mal am tag. Den Media Player 11 kann ich auf keinem meiner rechner installieren - die .net-platform ebenso wenig wie manche Windows updates. IE7 führt McAfee’s Site Advisor in die irre, der speicher wird zugeschrieben, manche einstellungen verschwinden einfach und an gewissen tagen erkennt es meinen USB-stick nicht. Mein partner und ich (auch einige unserer freunde) haben viel geld an Windows-Gurus bezahlt, um diese dinge wieder hinzukriegen, mit gemischtem ergebnis.
Ihr erinnert euch doch an den witz: wenn dein betriebssystem eine fluglinie wäre - die Microsoft-flugzeuge würden ohne probleme starten aber manchmal mitten in der luft einfach ohne jeden grund explodieren. Dieser tage ist XP ziemlich stabil, aber wir wollen nicht vergessen, daß Microsoft dafür immerhin drei jahre gebraucht hat (und zwei größere updates). Ja, vielleicht ist es stabil, aber ich würde Tante Nell einen Mac geben und sicher würde ich ihr keinen neuen PC mit Vista kaufen, es sei denn, ich wollte ihr leben in ein elend verwandeln - sie würde wahrscheinlich auf Aero Glass ausrutschen und sich die hüfte brechen.
Dieser alte witz hat auch 'ne zeile für Linux Air: jeder bringt ein stück vom flugzeug zum treffpunkt am flughafen mit. Auf der landebahn setzen sie das flugzeug stück für stück zusammen und diskutieren dabei, was für ein flugzeug es denn werden soll. Das ist nun nicht ganz wahr - eigentlich bauen sie nämlich 'ne menge unterschiedlicher flugzeuge und genau da liegt das problem für Windowsflüchtlinge: dei wahl zwischen den flugzeugen ist nicht einfach.
Die wichtigste punkt ist die frage, ob ich meine programme auch auf der neuen plattform nutzen kann. Die bedürfnisse des durchchnittsanwenders sind schlicht: email, internet, IM, bildbearbeitung, audio- und videoplayer und eine textverarbeitung. Für büroleute noch ne tabellenkalkulation und vielleicht auch noch DTP und ein bißchen was anders. Der lackmustest ist: können sie ihre dateien unter Linux öffnen und gibt's die art von programmen, an die sie sich gewöhnt haben?
Ob's nun Ubuntu, OpenSuse, Mandriva, mepis oder Novell's SLED ist: alles, was der durchschnittsanwender auf seinem desktop braucht, ist mit drin. Laptopinhaber haben eine kleiner auswahl, jedenfalls auf kurze sicht. Der eine wie der andere müssen aber entweder mit KDE oder mit Gnome zurechtkommen, aber keiner hat einen grund auf der suche nach extra-programmen im gebirge verloren zu gehen.
Intallation: Linux liegt hier meilenweit vor Windows. Die installation des betriebssystems und ganzer anwendungssuiten dauert wenig lange als die installation von XP mitsamt seiner mageren ausstattung.
TCO Das rennen ist gelaufen. Selbst dann, wenn du eine kommerzielle version kaufst oder die leute mit 'ner spende unterstützt, die die distro entwickelt haben, für die du dich schlußendlich entscheidest.
Anwendungsvielfalt Die runde geht klar an Windows - aber! Linux hat in seinem gebirge genau so viele schätze. Hier findet ihr 'ne liste mit entsprechungen:
Minimalausstattung Linux braucht in etwa die gleiche ausstattung wie Windows XP, um gut zu laufen und ein gutteil weniger als Vista.
Keine einmischungen - keine notwendigkeit für die Microsoft lizenzüberprüfung und weitere, direkt in den rechner eingreifenden überprüfungen.
Sicherheit. Kein bedarf für all diese anti-malware-zeug, aber wenn du schon nicht mehr ohne kannst, da gibts freie erweiterungen wie ClamAV
Standards Die leute haben schwierigkeiten, mit zu viel wahlfreiheit klarzukommen. Zwei desktops sind in ordnung ( und es gibt mehr ), aber der gegenwärtige krabbeltisch an 'package managern' ist schlichtweg grotesk und das geheimnisvolle wirken von einigen grenzt an zauberei. Die installationsroutinen von einigen distros liegen da nicht weit zurück. Das Portland Project beschäftigt sich mit diesen problemen und versucht, einige standards in kraft zu setzen.
Dokumentation Ganz dringend wird ein Linux für Dummies gebraucht zu den themen: 'desktop-manager', programmverwaltung und dateisystem.
Graphik Viele willige konvertiten nach Linux testen es auf ihrem zweit-rechner. Meistens sind das laptops. Viele der neueren haben ein breitbildformat und sie werden auch für den normalen PC üblich. Ich war also überrascht, daß das so schwierig war mit dem breitbildformat und der bescheidenen Intel G915/G945.
Aussehen und Präsentation Anwendungen, die unter Windows großartig aussehen (Firefox, OpenOffice, Thunderbird) sehen im Linuxgewand nicht so gut aus. Sie ähneln vorlagen, die nicht ganz fertig gemalt sind oder es fehlen effekte wie gedrückte und nicht gedrückte schaltflächen. Ich habe an allen Firefoxeinstellungen gedreht - ohne erfolg. Genauso fehlt die schriftglättung meistens. Dieses fehlen des letzten schliffs wird leute abhalten.
Wilde Auswahl Pinguinneulingen muß Linux in einer einheitlichen front gegenübertreten und ihnen verständlich die richtung weisen: willst du ein einfaches Linux - bitte zu dieser gruppe von distro hier drüben; du magst kommandozeilen - bitte hier lang; du bist selbst entwickler - dort ist es richtig für dich.
Disziplin mit Aussetzern Manche distros sind noch nicht bereit für den alltagseinsatz. Diese sollten klar als beta-version gekeinzeichnet werden - benutzung auf eigenes risiko
Also? Ist Linux bereit für die Massen?
Die antwort lautet: Linux nicht, aber einige der hauptdistros durchaus. Mein erste wahl ist Novells SLED 10, dicht gefolgt von Mandriva 2006 auf dem zweiten platz. Breitbildschirmprobleme einmal beiseite, Ubuntu ist ein weitere gute wahl (wenn du den 3D-desktop nicht brauchst), ebenso OpenSUSE. Und natürlich reicht auch Xandros, wenn du einfach nur von Windows wegwillst. Am meisten hat mich beeindruckt, daß keine der distros meine Windowsinstallation in müll verwandelt hat. Und die meisten der kleineren unzulänglichkeiten würden nicht exisitieren, wenn mehr entwickler sich zusammentun würden. Ubuntu und Linspire haben das getan und andere sollten dem beispiel folgen. Das perfekt Linux würde ungefähr so aussehen: SLED 10 oder Mandriva 2007 mit dem package manager von Ubuntu und der geschwindigkeit sowie hardwareerkennung von Mint. Aber nu rutschen wir wieder ins Nirvana.
Daß du diese distros für lau oder doch fast für lau kriegst, is eigentlich schon Nirvana!